Piraten im Indischen Ozean haben einen norwegischen Öltanker in ihre Gewalt gebracht. Soweit ist diese Meldung keine Überraschung mehr.

Aber es überrascht, dass die “UBT Ocean” mit 22 Besatzungsmitgliedern an Bord vor der Küste von Madagaskar angegriffen wurde. Die Piraten sollen sich mit dem Schiff schon auf dem Weg nach Somalia begeben haben. Der Tanker sollte eigentlich den Hafen von Daressalam in Tansania anlaufen. Die Mannschaft stammt nach Angaben der norwegischen Reederei aus Birma.
Was jedoch hat ein Hochseeschiff, das Treibstoff zwischen den arabischen Emiraten und Tansania transportiert, “vor der Küste Madagaskars” zu suchen? Haben sich da vorschnelle Redakteure vielleicht in der Geografie geirrt? Oder wird Piraterie noch immer vorschnell mit Madagaskar in Zusammenhang gebracht? In Madagaskar gibt es in heutiger Zeit keine Piraten mehr – vor 300 Jahren jedoch schon.
Wenn die somalischen Piraten schon ihr Revier so weit nach Süden ausdehnen, wer oder was will sie daran hindern nach historischem Vorbild Stützpunkte auf Madagaskar einzurichten, was ihre strategische Reichweite noch weiter verbessern würde?
Die madagassische Marine? Tsy misy! Gibt’s nicht. Das Übergangsregime HAT in der Hauptstadt Tana? Zu schwach und pleite. Die Polizei und Gendarmarie in den Küstenstädten? Zu korrupt. Die Amerikaner? Im Moment auf Madagaskar nicht am Drücker. Die deutsche Marine erwartet neue Aufgaben im Seegebiet der griechischen Inseln. Die französische Marine? Oh lala!
Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, dass sich Piraten in den berühmten Diskotheken der Hafenstädte wie den Zsa Zsa Club in Tulear, dem Queens in Tamatave oder den Nouvel Hotel in Antsiranana (Diego Suarez) zwischen ihren Einsätzen auf hoher See vergnügen? Natürlich mit den hübschesten Mädchen an ihrer Seite!
Mal sehen, wann der erste Freibeuter seinen Fuß an Land setzt und sich mit dem Taxi in die nächste Bar bringen lässt. Der Männertraum “Pirat im Indischen Ozean” wird also doch noch Wirklichkeit, nur mit falscher Besetzung. Leider!
So wurde der GEO-Autor und Madagaskar-Kenner Michael Stührenberg einmal im Interview gefragt: “Bei welcher Expedition wären Sie gerne dabeigewesen?“
Um das Jahr 1700 entschieden sich die provenzialische Adelige Mission und der italienische Priester Caraccioli für das freie Piratentum. Sie plünderten den Indischen Ozean, befreiten mit Vorliebe die schwarze Fracht von Sklavenhändlern und gründeten in der Bucht von Diego Suarez, an der Nordspitze Madagaskars, eine völlig utopische (da freie, gleiche, brüderliche) Piratenrepublik namens Libertalia. Da wäre ich gern dabeigewesen, bis ungefähr fünf Minuten vor dem Ende, als alle Piraten von madagassischen Eingeborenen massakriert wurden.
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Das spanische Thunfischfangboot „Campolibre Alai“ ist nach einem Bericht der lokalen Zeitung „L’Express“ vom Mittwoch in den Küstengewässern der Tropeninsel somalischen Piraten entkommen. Das Fischerboot sei zwischen der Stadt Majunga im Nordwesten Madagaskars und den 160 Seemeilen entfernten Küstengewässern von Mayotte angegriffen worden. Es habe jedoch entkommen können.