Die staatliche Fluggesellschaft Air Madagascar möchte von der Fussball-WM profitieren und meldet anstatt der jährlichen “an der Insolvenz vorbei geschlittert” Meldung lieber Erfolgsgeschichten.
So habe man die Weichen für die Fußballweltmeisterschaft im Juni im benachbarten Südafrika gestellt. Das Unternehmen hat laut Berichten der Tageszeitungen “Les Nouvellles“ und “Midi“ Verträge mit französischen und japanischen Reiseveranstaltern abgeschlossen, um neben sportbegeisterten Madagassen auch Touristen nach einem Besuch in der Heimat von Lemuren, Pfeffer und Vanille an dem Großereignis teilhaben zu lassen.
Derzeit gibt es zwei Flüge pro Woche nach Johannesburg, die angeblich bei Bedarf aufgestockt werden sollen. 2010 sollen in der Hauptsaison mindestens vier Flüge wöchentlich nach Paris, zwei nach Asien, im Oktober dann sogar drei, angeboten werden.
Zwei Mal pro Woche geht es mit der Flotte von Air Madagascar, deren Wahrzeichen ein stilisierter “Baum des Reisenden“ ist, nach Nairobi. Täglich zur Nachbarinsel La Reunion und drei Mal in sieben Tagen nach Mauritius.
Auf dem Programm stehen für 2010 die Teilnahme an den großen chinesischen Tourismusmessen in Kanton, Beijing und Schanghai. Gut eingeschlagen hätten 2009 die neuen Verbindungen Paris – Nosy Be ab Juni, Antananarivo – Kanton/China ab Juli und La Reunion – Insel Sainte Marie im Dezember.
Nicht erwähnt wird, dass an einigen Provinzflughäfen jetzt auch internationale Flüge starten. So ist die neue Verbindung Tulear-Reunion sicherlich eine Alternative für frankophone Reisende, die den Umweg über Antananarivo nicht schätzen. Die Flugpläne bietet die Air Madagascar als PDF-Download an. Alle Reisenden sind aber gut beraten, sich Termine und Zeiten mehrmals vor Ort bestätigen zu lassen.
Einen Bogen um Süd-Afrika fliegen
Soviel Zuversicht ruft nun die Mitglieder der SADC (Southern African Development Community) auf den Plan, die eine ungeliebte und als nicht rechtmäßig angesehene, von Andry Rajoelina installierte Übergangsregierung HAT (Haute autorité de la transition) zum Teufel wünschen. Wohl auf dem Wissen basierend, dass die eigene demokratische Legitimation auch nicht so vom Allerfeinsten ist. So ist Simbabwe immer noch Mitglied im SADC. Aber wahrscheinlich kann diese wirtschaftliche Erpressung nicht in die Tat umgesetzt werden. Die Air Madagascar fliegt auf dem Weg nach Europa über das Nicht-Mitgliedsland Kenia.
Das mögliche Ausbleiben von WM-Besuchern aus dem Raum des Indischen Ozeans und die fehlenden Einnahmen der südafrikanischen Flughäfen, auf denen die Air Madagascar Tank-Stopps und Catering-Bestellungen tätigt, machen diese Drohung zum Eigentor. Zudem ist nach Aussage von Fachleuten eine Luftraumüberwachung auf dem afrikanischen Kontinent nur auf dem Papier vorhanden.
Solche Drohungen gefährden auch nicht den gerade neu eingerichteten Kenia-Link, an dem Kenya Airways beteiligt ist. Der “Indian Ocean Pass” – das gemeinsame Angebot von Air Mauritius, Air Seychelles und Air Austral – bliebe für die Entdeckung der faszinierenden Inselwelt des Indischen Ozeans auch recht unattraktiv, wenn Madagaskar auf diese Provokation mit der Schließung seines eigenen Luftraumes drohen würde. Dickköpfig genug dafür sind sie schon. Er gilt für die Komoren, Madagaskar, die Malediven, Mauritius, Réunion, Rodrigues und die Seychellen.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie lange die SADC noch auf diese “Luftnummer” setzt. Die Mitgliedschaft Madagaskars wurde auf Grund des Staatsstreiches im März 2009 vorübergehend suspendiert.
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