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Something Completely Different

Seit dem Jahr 1952 wird mit der Gibson Les Paul E-Gitarre Musikgeschichte geschrieben. Wie kein anderes Instrument sollte sie die Rockmusik prägen.

© Hooktown - My Gibson Les Paul - photo sharing John Fogerty, Jimmy Page, Jeff Beck  (zumindest in früheren Jahren), Carlos Santana,  und  Eric Clapton spielten sie zum Entzücken ihrer Fans. Auch Slash von den Guns & Roses ward mit ihr gehört.  Paul Kossoff von den Free, Pete Townshend, Paul McCartney, John Lee Hooker und Neil Young lieben den dichten, warmen Ton, den die Gibson Les Paul erzeugt. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Ob nun Mahagonikorpus mit Ahorndecke verbaut wird oder  Palisandergriffbrette mit Half Crown Inlays die Herzen der Guitar-Heroes höher schlagen lassen -- mittlerweile sind Edelhölzer auf dem Weltmarkt ein mehr oder weniger illegales Produkt geworden. Dafür sorgt schon der Internationale Artenschutz in Zusammenarbeit mit den Zoll-Behörden.

Und genau solche Bundesagenten des U.S. Fish and Wildlife Service haben mit Unterstützung der lokalen Polizeibehörden  am 17. November 2009 Edelhölzer, Gitarren, Computer und Akten aus der Produktionsstätte von Gibson in Nashville einfach mal beschlagnahmt.

Rosenholz aus Madagaskar

Der schwerwiegende Vorwurf: Das Unternehmen habe bedrohtes Rosenholz aus Madagaskar importiert. Dabei sitzt Henry Juszkiewicz, Chairman und CEO von Gibson doch im Vorstand der Rainforest Alliance. Da wird es ihm auch nicht entgangen sein, dass Rosenholz und Palisander aus Madagaskar seit dem gewaltsamen Sturz des Tiko-Präsidenten Marc Ravalomanana im März 2009 verstärkt und nahezu unkontrolliert geschlagen und außer Landes geschafft wird.

Die Wilderer nutzten die politische und militärische Verwirrung auf der Insel, um in groß angelegten Operationen die letzten Vorkommen der seltenen Edelhölzer aus den Wäldern der Ostküste in kleine Provinzhäfen wie Vohemar zu schleppen, wo sie ohne von der Übergangsregierung unter Andry Rajoelina in Anatananarivo gehindert zu werden schon viele Schiffsladungen in Richtung China auf den Seeweg brachten. Auch auf dem Festland sind seitdem auffallend viele Chinesen registriert worden.

Und nun kommt die Überraschung: Laut Quellen der Nashville Post zufolge habe Gibson aber nicht in China eingekauft, sondern sei  in ein Komplott verwickelt gewesen, das Holz von Madagaskar zunächst nach Deutschland und von dort in die USA geliefert habe.

Das klingt sehr erstaunlich, denn einfachen Flugreisenden aus Madagaskar ist es fast schon unmöglich geworden, eine schöne große Muschel aus Madagaskar mit nach Hause nehmen zu können -- so intensiv kümmert sich der deutsche Zoll an den Flughäfen um den internationalen Artenschutz. Auch eine Strahlenschildkröte im Koffer entgeht den Fahndern nicht mehr.

Aber Holz kommt mit dem Schiff in die großen Häfen, und da scheint  der Ehrgeiz der Zollbeamten scheinbar nicht so ausgeprägt zu sein.

Staatserhaltender Raubbau

Die Tropeninsel Madagaskar ist seit dem Staatsstreich im Frühjahr 2009 in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten gekommen, da die internationalen Geberländer ihre Zahlungen weitestgehend einstellten. Auch weiß niemand so genau, wie viele Devisenreserven während der Unruhen aus der Zentralbank verschwanden. Der neue Präsident Andry Rajoelina hat in einer Präsidentenverfügung den Export von Palisander und Ebenholz legalisiert, die er sowieso nicht mehr verhindern konnte. Heute schloss er kurzer Hand den Hafen von Vohemar für internationale Reedereien, da sich die dortigen Vorgänge jeglicher Kontrolle aus der Hauptstadt, sprich Besteuerung entziehen. Von Umweltschutzorganisationen und Politikern hagelt es schon seit dem Sommer weltweit mit Kritik. Die  Hartholz-Wälder stellen den Schüssel zu Madagaskar’s einzigartiger Ökologie dar und bieten Lebensraum für die stetig schwindende Anzahl an Lemuren.

And Now To Something Completely Different

“Kommen wir nun zu etwas völlig anderem”, wie das Monty Python Urgestein John Cleese gerne zu sagen pflegte. John Cleese ist Lemuren-Liebhaber und Madagaskar Kenner und wird sich sicherlich auch die Frage stellen, ob diese Edelholzlieferungen nach Nashville vielleicht über Hamburg abgewickelt wurden. Denn die Industrie- und Handelskammer  der Hafenstadt rühmt sich besonders guter Wirtschaftskontakte mit Madagaskar mit eigenem Lobby-Personal vor Ort.

Allein, das Madagaskar-Geschäft ist in Deutschland zu unbedeutend und die Presse interessiert sich meist nicht besonders für diesen Teil der globalisierten Wirtschaftswelt. Unangenehme Fragen werden da kaum gestellt.

Der Sound der Les Paul

Proud Mary -- Creedence Clearwater Revival

Free -- All Right Now

Bildquelle:

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