Google meldet ein Rekord-Quartalsergebnis und stellt sicher bald fest, dass die Content-Lieferanten vermehrt aus dem Google-Reich auswandern werden. Dafür haben sie mittlerweile viele gute Gründe. Somit ist für Google das Aufkaufen der Nischen für Webmaster neue Priorität.
Nachdem die Google Webmaster Tools ein Update erfahren haben und nun auch nach Malware auf der Domain suchen, musste ich feststellen, dass in den Webmaster Tools die PageRank Verteilung bei den Crawling Statistiken entfallen ist.
Während SEO-untided .de schon das angekündigte Ende des Google PageRank mit einer Todesanzeige betrauert, warten weltweit die Webmaster auf ein immer weiter hinausgezögertes PageRank Update für das 4. Quartal 2009.
Das Warten auf die Neubewertung der inoffiziellen “Web Währung Parameter” wird mit der Meldung von Googles Nettoumsatz im 3. Quartal 2009 begleitet. Demnach stieg laut dem Quartalsbericht der Nettoumsatz um 8,5 Prozent auf 4,38 Milliarden US-Dollar. Der Überschuss kletterte laut Mitteilung um 27 Prozent auf mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro). Mit diesem kräftigen Gewinnplus übertrifft Google die Erwartungen deutlich.
Der Internetgigant wuchs im vergangenen Vierteljahr so schnell wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Google schlägt sich also inmitten der weltweiten Anzeigenkrise blendend und will mit Hilfe von wirklich großen Übernahmen weiter expandieren. Dabei wird der eine oder andere Webmaster auf der Flucht vor dem Monopolisten durch den gezielten Aufkauf der Nischen-Anbieter wieder eingefangen werden. Nur das Betreiben eigener kleiner Webservice Angebote mit quelloffener und selbst gehosteter Software scheint noch sicher.
Hier stimmt was nicht
Woher kommt dieses Wachstum, wenn die öffentlich bekannten Randbedingungen relativ konstant geblieben sind? Die Betreiber von Webangeboten mit Adsense-Schaltungen klagen schon seit längerem über alle nationalen Grenzen hinweg über stark gesunkende Werbeeinnahmen, größtenteils bedingt durch gesunkende Vergütungen der Anzeigen.
In den Bilanzen von Google ist von sinkenden Werbeschaltungen aber keine Spur zu sehen, eher das Gegenteil ist erkennbar: der Umsatz ist gestiegen. Somit bleibt also nur der Schluß, dass Google einfach seine Gewinn-Spanne auf Kosten der Adsense-Publisher erhöht hat. Natürlich ohne jeden Kommentar von Google, ohne jede betriebswirtschaftliche oder technische Begründung. Das haben Monopolisten mit Sektenstatus auch nicht nötig.
Das System der Anzeigenvergütungen wird von Google nicht ohne Grund absichtlich in höchstmöglicher Intransparenz gehalten. Es gibt Beispiele, wo Anzeigenkunden pro Klick über 3 € an Google bezahlen, aber völlig unbekannt bleibt, wie hoch der Anteil für den Publisher ist. Ist das nicht schon ein klarer Mißbrauch einer marktbeherrschenden Stellung?
Wann werden die Publisher dazu übergehen, den nur noch vergoldeten Käfig zu verlassen und Google die Werkzeuge der Weltmarktmacht zu entschärfen. Und nicht vergessen, es gibt es immer noch andere Anbieter.
Die vermeintlich kostenlosen Werkzeuge von Google
Was Google wirklich treffen würde, wäre eine Absage der Webmaster an die vermeintlich kostenlosen und zugegeben mächtigen Werkzeuge von Google.
- Also raus mit dem Google Analytics Code zugunsten des quelloffenen und selbst gehosteten Piwik.
- Deinstallation der ständig mit Google verbundenen Dienste wie die Google-Toolbar, Google Talk und neuerdings auch Google Wave.
- Vielleicht auch der vollständige Verzicht auf die Einnahmen von Google Adsense, da dieses Skript durch die Hintertür doch wieder Google Analytics nachlädt.
- Verbot aller Cookies von Drittanbietern in den Browsereinstellungen um dem jetzt zum Google-Weltreich gehörenden DoubleClick die Besucherverfolgung zu unterbrechen.
- Löschung aller Flash-Cookies.
- Finger weg von Google Mail und Calendar, da sich hier früher oder später Spuren der Google nicht genehmen Webmaster-Aktivitäten ansammeln.
- Abschalten aller Geo-Location Features bis hin zu absichtlich falsch angegebenen Start-Punkten der unter Verfolgungswahn leidenden Webmaster bei einer Routen-Berechnung mittels Google Maps.
- Mit der in Picasa eingeführten Gesichtsfelderkennung findet Google jeden fotografierten Kopf irgendwo mal wieder.
- und, und, und…
- Zu guter letzt: Google Wave am Strand der bewährten sozialen Arbeitstechniken einfach ausplätschern lassen. Denn mit einer Einladung in Ihre Google Welle ziehen Sie Ihre Kollegen, Freunde und Geschäftspartner mit in die umfassende Bewegungsdaten-Analyse des Google Imperiums hinein.
Kauft Google nach YouTube auch YouPorn?
Natürlich ist der Rückzug ins Private für den von Google sozialisierten und lange Zeit verwöhnten Webmaster kein Zuckerschlecken. Man stelle sich aber mal vor, Google schluckt nach dem Mega-Erfolg von YouTube auch dessen Schmuddelableger YouPorn und ordnet jeden Besuch fleißig den schon existierenden Profilen zu, ohne die Zusammenhänge jemals zu vergessen. Wer jetzt im Spiegel einen hochroten Kopf erblickt, hat das Problem erkannt.
Als die Videobörse YouTube an Fahrt gewann und Ende 2006 für den spektakulären Kaufpreis von 1,65 Milliarden US-Dollar an Google verkauft wurde, startete parallel auch die Seite “YouPorn” – eine Videobörse alleine für Pornofilme. Der Analyse-Anbieter Alexa.com führt die Seite auf Platz 51 der weltweit meist besuchten Seiten – in Deutschland rangiert die Porno-Seite sogar auf Platz 24. Kann Google da ruhigen Gewissens wegschauen?
Der Moor kann gehen
Viele aufmerksam im WWW lesende Web-Citizen gehen sowieso davon aus, dass über kurz oder lang Webseiten-Betreiber von den vorderen Plätzen bei Google-Suchen verdrängt werden. Zuerst kam dorthin die Wikipedia, dann die Bildersuche und später werden es nur noch Bücher, Videos, News und andere auch von Google kanalisierte Medien sein. Sie werden die Ergebnisse dann dominieren. Es ist ja jetzt schon auf der 1. Suchergebnisseite ersichtlich, in welche Richtung die Reise geht.
Also genau die kleinen Webseiten-Betreiber, die Google erst groß und schlagkräftig gemacht haben, können dann gehen. Und nicht nur das. Sie werden auch gnadenlos von Google verfolgt, wenn sie versuchen die eine oder andere Mark selbst zu verdienen und damit den großen Google Kuchen ein wenig anknabbern wollen.
Genau jene Webseiten-Betreiber werden ein böses Erwachen erleben, wenn Google sich von ihnen “elegant” verabschiedet und vorher noch jedem irgendwie nach “gekauft” riechenden Backlink in geradezu fanatischem Verfolgungswahn nachspioniert.
Denn es mehren sich die Hinweise, dass Google immer weniger auf die viel beschworenen anonym und unbestechlich entscheidenden Algorithmen setzt, sondern darüber hinaus eine Armee von Beobachtern und Kontrolleuren im Web beschäftigt, die die Umsetzung der nur Google dienenden “Google Webmaster Guidelines” in nahezu teutonischer Qualität gewährleisten. Dabei scheut Google auch nicht davor zurück, in Backlink-Börsen als Advertiser oder Publisher aufzutreten, natürlich verdeckt, wie sich das für ein “don’t look evil” Unternehmen gehört.
Der PageRank ist tot, es lebe der PageRank
In diesem Krieg von Google gegen die Webmaster-Guerilla ändert Google immer mal die zugrunde liegenden Strategien und Algorithmen ein wenig, setzt aber um so massiver auf die sogenannte Abstrafung ungebetener Klein-Konkurrenten im Geschäft mit der digitalen Bedeutung durch das Erreichen der Suchergebnisseite Nummer 1. Somit ist es durchaus möglich, dass der nun erkennbare Umsatzsprung nicht durch die innovative Erschließung neuer Geschäftsfelder erreicht wurde, sondern durch die Ausrottung der von Google hinter jedem Router vermuteten “kleinkriminellen” Linkverkäufer, die ihre aufwendig und liebevoll betriebenen Webseiten, Blogs und Wikis ein wenig refinanzieren wollen.
No Mercy
Dabei ist Google durchaus auch nachtragend. Da die Benutzer der Google-Suchmaschine die echte Relevanz abgestrafter Content-Anbieter durchaus präsentiert bekommt, bleibt der PageRank gerne länger als angemessen bei PR0 angenagelt. Sicher, jeder Webmaster mit kleinen Sündenfällen hat die Möglichkeit, sein Angebot durch eine Selbstanzeige samt Denunziation eventueller Geschäftspartner wieder rein zu waschen. Das Antragsformular in den Google Webmaster Tools ist zwar schnell ausgefüllt, aber was geschieht danach wirklich?
Es gibt einen maschinell versandten Textbaustein, der den Antragseingang bestätigt, irgendwann tauchen die Google Kontrolleure aus Mountan View oder Irland persönlich auf oder deren losgelassene Special-Agent-Spider tragen sich in die Logfiles ein, auch an Stellen zu denen sie gar nicht gerufen wurden. Und nach 2-3 Wochen erhält der Webmaster eine völlig nichtssagende Mitteilung, dass der Vorgang beendet sei.
- Resultat: Keine Angabe
- Ergebnis der erneuten Überprüfung: Nicht feststellbar
So sieht die Arroganz eines Monopolisten für das gemeine WebVolk aus. Wer zu zu lange über Microsoft geschimpft hat, der übersah Google auf der Überholspur. Und was bleibt uns: Eine digitale Hassliebe.















[...] you feeling lucky about your latest Google PageRank? There is something strange going [...]
Klasse Artikel! Spannend und informativ zugleich!
Wow, ein wirklich hervorragender Artikel. Vielen Dank dafür!
[...] exzellenten und denkwürdigen Beitrag hierzu, habe ich heute im Internet auf vaovaoweb gefunden, sehr empfehlenswert diesen nicht nur zu lesen, sondern auch mal zu überlegen wie jeder [...]
[...] verrät die PageRank Verteilung nicht mehr (Link) Hier geht es allgemein um Google #Google [...]
Sehr schöner Beitrag!
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Nur eine Frage: Wieso hast Du selbst noch Adsense integriert
Gute Frage @Daniel! Bisher haben die von mir getesteten Alternativen für kontext-bezogene Werbung kaum Einnahmen erzielt. Im Einsatz waren die kontext-sensitiven Banner von affili.net, eBay und Amazon. Dafür habe ich mich aus GA, Toolbar, Picasa und Google Suchboxen schon aktiv zurück gezogen. Den Zusammenhang von Adsense und GA entdeckte ich erst kürzlich. Da bin ich noch nicht ganz sicher, welche Konsequenzen das für mein Blog haben könnte.
[...] seit dem letzten Backend-Update nicht mehr in den Google Webmaster Tools angezeigt – siehe hier oder [...]
[...] PageRank seit dem letzten Backend Update bei Google Webmaster Tools nicht mehr angezeigt wird. Einige Blogger haben hier zu bereits [...]
Danke für diesen tollen Artikel hat Spass gemacht ihn zu lesen und ich stimme mit dir voll überein . . .
Grüsse!
Sehr interessanter Artikel!
Bezüglich AdSense sagt Google, dass der Publisher mehr als 50% Vergütung erhält. Ich habe noch einen Musikblog auf dem ich AdSense schalte und hier hat doch angeblich jemand für nur 0,02€ einen Klick erhalten. So zumindest die Rechnung, denn ich habe eine Vergütung von 0,01€ erhalten.
Ich weiß, dass der Musiksektor relativ günstig ist, aber ein Klick für nur 0,02€ halte ich auch hier für relativ unwahrscheinlich.