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Laisser-Faire am Himmel über Frankreich

Fliegender Sarg:  So hieß der heruntergekommene Airbus A 310 der Fluggesellschaft “Yemenia”, der zwischen Sanaa und Moroni pendelte, in der großen komorischen Community in der französischen Diaspora. Auch die französische Luftbehörde kannte das Problem.

Piwik BesucherstatitistikWenn in diesem beschaulichen Blog die Besucherzahlen plötzlich nach oben schnellen, dann muss schon etwas Gravierendes geschehen sein. In diesem Falle der Absturz eines jemenitischen Airbusses A310 im Landeanflug auf den internationalen Flughafen von Moroni auf der  Komoreninsel Grande Comore. An Bord fast ausschließlich im französischen Exil lebende Komorer auf dem Weg in die Sommerferien auf den Heimatinseln. Bei dem Absturz in der Nacht zum 30. Juni 2009 kamen 152 Menschen ums Leben, nur das 14 jährige Mädchen Bahia konnte an ein Wrackteil geklammert aus dem stürmischen Indischen Ozean gerettet werden.

Schon wenige Stunden nach dem Absturz trat der französische Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau vor die Kameras und brüstete sich, seine Behörden hätten die Unglücksmaschine mit der Kennung 7O-ADJ bereits im Juli 2007 inspiziert und für mangelhaft erklärt. In Frankreich habe sie deshalb nicht landen dürfen.

Tatsächlich hatten viele der 142 Passagiere von Flug IY626 in Paris Roissy und Marseille einen anderen Airbus A330 bestiegen, der von jenem Verbot nicht belegt war. Erst in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa stiegen sie um in die bemängelte Todesmaschine und setzten den Flug Richtung Komoren, einer Inselgruppe nördlich von Madagaskar, fort. Warum die Maschine in pechschwarzer Nacht auf dem Wasser aufschlug, ist noch nicht geklärt.

Warum, so fragt man sich, durfte das Todes-Flugzeug in Frankreich nicht einfliegen, in andere EU-Länder hingegen sehr wohl? Wieso hat ein Komitee der Europäischen Kommission die Yemenia Airways vor der Aufnahme auf die schwarze Liste unsicherer Fluggesellschaften bewahrt? Und weshalb spielte es dabei keine Rolle, dass die europäische Flugaufsicht EASA bei der Wartungsfirma der Airline so gravierende Mängel festgestellt hatte, dass sie ihr die Lizenz entzog?

Das versuchen die betroffenen Unternehmen, nicht selten mit kräftiger Unterstützung aus der Politik, nach Kräften zu verhindern. So war es auch, als Yemenia auf den Prüfstand kam, verrät ein Eingeweihter in Brüssel: Das Verfahren habe “einen hochpolitischen Vorlauf mit viel Einsatz einzelner EU-Mitglieder” gehabt.

Mängel der Kategorie 3

Die unrühmliche Saga beginnt am 4. Juli 2007 auf dem Flughafen in Marseille. Bei einer Überraschungsinspektion stießen Prüfer der französischen Flugaufsicht auf “Mängel der Kategorie 3″ an der Unglücksmaschine. “So etwas hat man nicht alle Tage”, meint einer von ihnen. Das Flugzeug musste umgehend das Land verlassen. Die Passagiere blieben in Marseille.

Ein EU-weites Flugverbot hielt man vorerst nicht für erforderlich – weder für die Airline noch für die beanstandete Maschine. Fortan musste 7O-ADJ also Frankreich meiden, alle anderen Flughäfen Europas jedoch standen ihr offen. Noch am 24. und 27. Juni, also wenige Tage vor dem Absturz, landete der Jet in London Heathrow.

Im Taxi-Brousse der Lüfte

Erstmals war damit aktenkundig geworden, wovor eine Bürgerinitiative komorischstämmiger Franzosen bereits seit längerem gewarnt hatte. Yemenia Airways fliege mit “veritablen fliegenden Särgen” umher, klagten sie. Vielerorts fehlten Gurte an Bord, die Toiletten seien verstopft, und in überbuchten Fliegern hockten die Passagiere auf den Gängen neben ungesichertem Gepäck.

Bei den Komorern in Marseille, der größten komorischen Community außerhalb des kleinen Landes im Indischen Ozean, war Yemenia trotz der mehr als zwanzigstündigen Reise mit mehrfachem Umsteigen und dem hohen Preis ein vielfach genutzter Transportweg in den Heimaturlaub. Einer der Gründe dafür ist, dass Yemenia die Mitnahme von vierzig Kilo Gepäck (statt zwanzig Kilogramm) gestattet.

Die Komoren-Inseln im Indischen Ozean


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Ist die AIR France sicher?

Viele Flugreisende auf den Strecken in den Indischen Ozean fragen sich nun, ob die Air France mit ihren höheren Preisen auch sicherer sei. Die Antwort ist Nein, denn nach jetzt bekannt gewordenen geheimen Berechnungen aus Luftfahrtkreisen offenbart sich ein verheerendes Ergebnis für die Air France: Airbusse der französischen Fluglinie stürzen überdurchschnittlich häufig ab.

Eine ungenügende Sicherheitskultur bei der Airline wurde bereits vor drei Jahren in einem internen Bericht bemängelt, der der Presse zugespielt wurde. Darin soll es heißen, dass dem Unternehmen  ein “klarer und objektiver Blick auf die Leistung im Bereich der Luftsicherheit” fehle. Harter Stoff für das französisch-holländische Vorzeigeunternehmen! Acht von zehn Unfällen oder Zwischenfällen bei Air France gingen auf menschliche Faktoren zurück, etwa mangelnde Aufmerksamkeit, schlechte Entscheidungsprozesse und falsche Zusammenarbeit zwischen Pilot und Co-Pilot.

Insbesondere gehe aus einer Analyse von Zwischenfällen mit A330/340-Modellen hervor, dass Kapitäne “ein gewisses Maß an Übervertrauen oder gar Selbstgefälligkeit” an den Tag legten. Nicolas Sarkozy scheint also keine französische Ausnahme zu sein.

Wenn geplagte AIR France Passagiere das oft arrogante Verhalten der Bordcrews gegenüber ihren Passagieren auf die Befindlichkeiten der Flugzeugführer hochrechnen, dürften sie von dieser Analyse kaum überrascht sein.

Es mehren sich die Spekulationen, die Piloten des Unglücksfluges AF 447 von Brasilien nach Paris seien mit ihrem A330 in eine Gewitterzone hineingeflogen, weil sie Sprit sparen oder eine Verspätung vermeiden wollten.

Im Atlantik verschollen

Der A330 der Air France war am 1. Juni auf dem Flug von Brasilien nach Frankreich. Inmitten einer tropischen Gewitterfront über dem Atlantik sollen Geschwindigkeits- und Höhenmesser nicht richtig funktioniert haben.  Die Mängel waren bekannt, ein Austausch der beanstandeten Sensoren von der Air France aber auf die lange Bank geschoben worden. Die genaue Absturzursache ist aber noch ungeklärt. An Bord befanden sich 228 Menschen, darunter 28 Deutsche.

Airbus selbst in der Kritik

Eine ungenügende Sicherheitskultur bei der Airline AIR France wird auch nicht vom Skandal um die Yemenia Airways verdeckt. Der Absturz des Airbus A330 im Atlantik hat bei Passagieren weltweit für starkes Unbehagen gesorgt. Sie befürchten auch, dass bei Airbus selbst in Sachen Sicherheitsaspekte zu wenig Einfluss auf zahlungskräftige Großkunden genommen wird.

Ein direkter Zusammenhang der beiden Flugzeugkatastrophen scheint ausgeschlossen. Während es sich bei der verunglückten Air France Maschine um ein vergleichsweise modernes Modell vom Typ A330 handelte, gilt die A310 von der Yemenia bei vielen Fluggesellschaften als Auslaufmodell. Die hohen Wartungskosten machen den Betrieb unwirtschaftlich. Airbus hat die Produktion der A 310 längst eingestellt.

Airbus A380 IndoorDennoch muss sich der EADS Konzern langsam Gedanken machen, wie er seine Wartungsrichtlinien und Austauschempfehlungen besser mit den Fluggesellschaften kommuniziert. Kaum auszudenken, wenn der erste Second-Hand A380 mit mehr als 500 Menschen an Bord abschmiert.

Noch kann sich kaum jemand diese Größenordnungen so recht vorstellen. Die maximale Passagierkapazität eines Airbuss A380-900 läge bei 963 Personen, die typische Kapazität im Drei-Klassen-Layout bei etwa 656 Personen. An dieser Variante haben unlängst die Fluggesellschaften Emirates, Air France und Lufthansa Interesse bekundet.

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