Irgendwann, irgendwie, irgendwo zerstören sie auch Deine Existenz und die Deiner Kinder.
Die Regierung erhofft sich vom Gesetz zu Kinderporno-Sperren offenbar wesentlich weitergehende Überwachungsmöglichkeiten als bislang bekannt. Jeder kann zudem laut Justizministerium unter Anfangsverdacht geraten, der die Stoppseite zu sehen bekommt. Jeder? Jeder!
Durch eine geschickte Gestaltung der Black-List oder durch absichtlich umgeleitete und kaschierte URL’s (TinyUrl, Twitter, Redirects, iframes, manipulierte hosts Datei, Malware usw…) liesse sich jeder auch noch so vorsichtige Surfer irgendwann, irgendwie, irgendwo auf die berüchtigte Stoppschild-Seite locken.
Nehmen Sie sich also vor persönlichen Feinden, Scherzkeksen und rachsüchtigen Ex-Partnern in acht. Kollegen werden Sie reinlegen, Hacker es zum Sport erklären und dubiose Geschäftemacher nach einer Umleitung gegen die Wand Ihnen sofortigen juristischen Beistand im Abo anbieten: Denn über diesen miesen Trick bekommen die Strafverfolgungsbehörden für fast jeden Bundesbürger (früher oder später) einen Hausdurchsuchungs-Grund, um mal eben nachzuschauen, was Sie sonst noch so treiben. Und das quasi umsonst, die Kosten dafür tagen die Provider, also Sie persönlich als Kunde.
Und was noch viel schlimmer wiegt: Ihre Existenz kann von heute auf morgen vom BKA vernichtet werden, das angedrohte soziale Aus für Jedermann wird zur Mega-Waffe des politischen Establishment. Und sollten Sie Kinder haben, so wird auch deren Zukunft zerstört. Und wer hat’s erfunden? Unsere Familienministerin, die Ursel!
“Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft”, erklärte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen dem Berliner Radiosender Radio Eins sehr verschwurbelt und mehr als missverständlich. Es wird also sehr gefährlich, als “versierter Internetnutzer“ bekannt zu sein, solange es in der Regierung noch völlig merkfreie “von der Laiens” gibt. Sind alle, die eine IP-Adresse in ein Konfigurationsfeld eines DSL-Routers eintragen können jetzt schon potentielle “Pädokriminelle“?
Kritiker der geplanten Internetsperren weisen immer wieder darauf hin, wie leicht die geplanten DNS-Sperren, die von der Leyen mit weiblicher Ignoranz schlicht als “etwas Technisches” bezeichnet, zu umgehen sind. Es bedarf keines großen technischen Wissens, um die Sperren zu umgehen, müssen Nutzer dazu doch nur einen alternativen DNS-Server nutzen, wofür es unabhängig von den Sperren zum Teil gute Gründe gibt.
Machen Sie dem Spuk eine Ende bevor es zu spät ist, im Herbst 2009 bei der Bundestagswahl. Die Telekomiker jedenfalls warten das Votum der Wähler noch ab und mauern plötzlich: Die Deutsche Telekom macht natürlich offiziell technische Hürden dafür verantwortlich. Ein Telekom-Sprecher veralberte die Berliner Technik-DAU’s mit folgender Erklärung: “Wir müssen eine Software entwickeln, die es bis dato noch gar nicht gibt, und diese auf einigen hundert Servern testen und installieren.”
Die Entwicklung und Umsetzung des geplanten vollautomatischen Verfahrens kostet also völlig überraschend plötzlich mehr Zeit als gedacht. “Die Sperre kann daher voraussichtlich erst in einem halben Jahr aktiviert werden”, so der Sprecher der Telekomiker. Die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag findet am 27. September 2009 statt. Also ein Software Relaease just-in-time. Oder wollen die erst die Änderungswünsche der neuen Bundesregierung abwarten?
Die von der Bundesregierung initiierte Sperrung kinderpornografischer Internet-Seiten wird sich also um etliche Monate verzögern. Es sei denn sie liefern die Software gleich selbst per Einschreiben und Zwangsinstallation auf jedem BRD-Rechner. Das würde den Bundestrojaner zum Verkaufsschlager machen. Wetten Dass!
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