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Die Komoren Insel Mayotte im Indischen Ozean will in die EU

© maéli - Mayotte - photo sharingFrankreich bekommt bald sein 101. Département. Es liegt weit weg von Paris: Die kleine Komoren Insel Mayotte hat sich per Volksabstimmung dazu entschieden, künftig zur EU zu gehören. Somit bekommt die EU 200.000 neue Europäer und gewinnt eine Marine-Basis nahe der Operationszone somalischer Piraten.

Die Bewohner Mayottes sind fast ausschließlich Muslime, die schon seit 1841 französisch sind und seit 1976 offiziell zum “Collectivité Territoriale”, zum Übersee-Verwaltungsbereich Frankreichs gehören. Mit dem Upgrade zum 101. Département der Grande Nation haben die Bewohner Mayottes Anspruch auf umfangreichere Sozialleistungen des französischen Staates, die Insel würde damit auch automatisch Teil der Europäischen Union.

Der Preis  für den Anschluss ist offensichtlich. Jetzt müssen die lokalen Bräuche mit dem Recht Frankreichs in Einklang gebracht werden. Das wird ein Kulturschock für das islamische Eiland, da es aktuell im Geltungsbereich der  Scharia lebt. Unvereinbar mit der Republik Frankreich sind auch noch legale Praktiken wie Polygamie und Verstoßung.

Der Status soll 2011 in Kraft treten – aber schon jetzt sichert Paris mit vielen Millionen Euro einen Lebensstandard, der um ein Vielfaches höher ist als auf  den benachbarten Komoreninseln. Aber viele zugewanderte Franzosen sind nicht für den Vollanschluss an Frankreich. Sie fürchten den Verlust von Steuerprivilegien.

1974 hatten die Mayotter als einzige Inselbevölkerung der Komoren auf ihre Unabhängigkeit verzichtet und blieben unter Frankreichs Territorialverwaltung. Hier ist die Fremdenlegion stationiert und die französische Marine nutzt intensiv den strategisch wichtigen Hafen. In der von Armut und wirtschaftlicher Not geprägten Region zwischen Madagaskar und Mosambik lockt dieser Sonderstatus viele Ausländer und besonders Flüchtlinge an.

Aber der Seeweg nach Mayotte ist gefährlich. Ungezählte Opfer forderte der Indische Ozean bisher von den illegalen Immigranten. Bei dem Versuch, die Strände von Mayotte zu erreichen sterben viele Komorer den nassen Tod.  Darunter auch viele hochschwangere Frauen, die alles riskieren um ihr Kind auf Mayotte zu gebären und ihm somit die französische Staatsbürgerschaft zu sichern.

Dieser von der Öffentlichkeit vergessene Exodus im Indischen Ozean wird sich sicherlich durch die Eingliederung Mayottes in die EU verstärken und damit im europäischen Kernland  auch stärker wahrgenommen werden. Von solchen Einwandererströmen (man spricht schon von 30% der Bevölkerung) blieb das andere französische Übersee-Departement in der Region noch verschont: La Réunion liegt einfach zu weit draußen im Indischen Ozean.

Blick in die Geschichte: Die Sabenas

Der Auswanderungsdruck auf die Komorer war schon immer enorm. Es gibt dort eben nur begrenzten Lebensraum. Komorer waren mit 60.000 Menschen vor 1972 die zweitstärkste ausländische Bevölkerung auf der Nachbarinsel Madagaskar, die vor allem in der Region um Mahajanga lebten. Doch infolge von  tödlichen Auseinandersetzungen im Dezember 1976 wurden rund 16.000 Komorer repatriiert. Sie werden heute noch auf den Komoren als “Sabena” bezeichnet, weil es die belgische Airline Sabena war, die sie damals in einer Sofortmassnahme ausflog. Mit dieser Luftbrücke wollten die  Belgier vor der Weltöffentlichkeit ein paar humanitäre Plus-Punkte sammeln, die sie bei ihrem Engagement in Zentral-Afrika wohl eingebüßt hatten.

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