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Change Malagasy

Die Amtszeit von Marc Ravalomanana ist Geschichte, der neue (Übergangs-) Präsident von Madagaskar heißt Andry Rajoelina.

© harinjaka - Madagascar orange revolution's hat - photo sharingAndry Rajoelina entspricht aufgrund seines jungen Auftretens nicht der landläufigen Vorstellung von einem Präsidenten. Dennoch hat das Verfassungsgericht den 34-jährigen Bürgermeister von Madagaskars Hauptstadt Antananarivo zum neuen Staatschef erklärt.

Wegen seiner Zielstrebigkeit und Schnelligkeit hat er den Spitznamen TGV, abgeleitet vom gleichnamigen französischen Hochgeschwindigkeitszug. Gleich am ersten Tag seiner Amtszeit legte er Obama-Like los: Die  60 Millionen Dollar Anschaffung Air Force One werde verkauft, der Daewoo Landverkaufsdeal sei nicht verfassungskonform und daher ungültig und jetzt gehe es vorrangig darum, die Armut im Land zu bekämpfen – aber den umstrittenen Gipfel der afrikanischen Union im Sommer wolle man doch noch gerne ausrichten – und noch viel mehr.

Rajoelina, der auf einer Welle des sozialen Unmutes der Bevölkerung in sein Amt getragen wurde, hat sich nun auf die Fahnen geschrieben, diese Missstände zu beheben. Falls er mit dem Makel des Staatsstreiches belastet überhaupt an der Macht bleiben kann. Er versprach dann auch, sich für niedrigere Preise für Reis und andere Grundnahrungsmittel einzusetzen. Sein Vorgänger Ravalomanana hatte zunehmend die Unterstützung der unter steigenden Lebenshaltungskosten leidenden Bevölkerung verloren. Die Mehrheit hielt den Präsidenten für zu entrückt von der Lebenswirklichkeit auf der Insel.

Kurz und gut, die zerknirschten US-Amerikaner müssen feststellen, dass der erste gelungene “Change-Export” ausgerechnet in Madagaskar zur Erneuerung des französischen Einflusses auf Madagaskar führen könnte.

Im Grunde war der Volksaufstand auch ein Teil der Bewegung “Contre la vie chère”, die in den französischen Überseedepartements auf den Antillen und La Réunion dem französischen Establishment in Paris Kopfschmerzen bereitet. Und ich wage zu behaupten, dass sich das Schicksal der Regierung von Andry Rajoelina direkt von der Entwicklung der Lebenshaltungskosten in Madagaskar ableiten lassen wird.

Während dessen besichtigt ein BBC-Reporter den geplünderten Präsidentenpalast Iavoloha vor den Toren Antananarivos und berichtet von der Vergänglichkeit der Macht.

Die Weltöffentlichkeit ist noch damit beschäftigt ist, die vermeintliche Legalität dieses Staatstreiches zu prüfen um dann früher oder später die Fakten anzuerkennen. In Madagaskar selbst wird der Machtwechsel von vielen als legitime Notbremsung verstanden.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, denn Rajoelina werden gute Kontakte zum Umfeld des früheren Präsidenten Didier Ratsiraka nachgesagt, der 2002 von Ravalomanana aus dem Amt gedrängt worden war.

Alles in allem ist die rasante Entwicklung des Jahres 2009 auf Madagaskar so komplex, dass ich zum Schluss dieses Postes nur eines sicher feststellen kann: Die Revolution war dunkelrot vom Blut statt orange und die Macht der Ahnen auf Madagaskar ist ungebrochen. Niemand darf ungestraft Tabus verletzen und die Seelen der Toten wachen noch immer über das Land und die Familien – Madagaskar ist und bleibt eine etwas andere Welt – a World apart.

Entferntes Europa

Europa ist von den Entwicklungen in Madagaskar nicht ganz so weit weg, wie man annehmen mag. Während die aktuelle Wirtschaftskrise sich weltweit vertieft, bereiten sich auch die europäischen Sicherheitsbehörden auf Unruhen vor. Mit den jüngsten Unruhen in Griechenland, Island, Schweden, Litauen, Lettland, Bulgarien, Frankreich, Guadeloupe, La Réunion, aber auch den Kämpfen in den Flüchtlingslagern von Malta und Lampedusa, ist Europa unmittelbarer Austragungsort heftiger Auseinandersetzungen geworden. Als Auswirkungen der Finanzkrise werden weitere Aufstände erwartet. Das Netz-Magazin  Telepolis spricht schon von einem “Summer of rage”

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2 Kommentare zu “Change Malagasy”

  1. Blah sagt:

    Von den Einschüchterungen und Folterungen des TGV Regimes kein Wort. Auch nicht davon dass man den Vize Admiral in einem Kofferraum abtransportiert hat. Auch nichts davon, dass ihn lediglich seine selbst gegründete “Hohe Übergangsregierung” zum Präsidenten ernannt hat – und NICHT das Verfassungsgericht, diese lehnten das bis dato nämlich ab. Ich lese nichts davon, dass so ziemlich alle (bis auf ihn selbst natürlich) diesen Putsch verurteilen und ich spreche dabei nicht nur von der Europäischen sowie der Afrikanischen Union. Rajoelina mit Obama zu vergleichen ist anmaßend und geradezu lächerlich.

  2. tanalahy sagt:

    Wo wird denn US-Präsident Barack Obama als absolute Lichtgestalt dargestellt? Zitat AFP von heute: “Das Oberste Verfassungsgericht des Landes hatte am Mittwoch den bisherigen Oppositionsführer Rajoelina als Präsident bestätigt.”

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