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Eine geheimnisvolle Insel im Indischen Ozean

In den Sechzigerjahren wurden die Bewohner der Chagos-Inseln von den Briten aus ihrer Heimat verscheucht. Die geleugnete und dann verdrängte Vertreibung eines ganzen Volkes beginnt zu britischen Kolonialzeiten Anfang der Sechzigerjahre, als die Chagos-Inseln noch zu Mauritius gehörten.

© Pan-African News Wire File Photos - Supporter of the Right-of-Return for Chagos Islanders who were forcefully removed from their homes in the Indian Ocean after 1967 when the US leased the territory from Britain to establish a military base. Their claim was denied by the UK House of Lords. - photo sharingDie USA wollten unbedingt eine unbewohnte Insel im Indischen Ozean haben, um von dort aus den Mittleren Osten und die Ölrouten kontrollieren zu können. Vorauskommandos der US-Armee schauten sich mehrere britische Kolonialinseln an und entschieden, Diego Garcia sei am besten geeignet. Da haben die Briten gesagt: Kein Problem, wir gründen einfach eine neue Kolonie, die wir Mauritius nicht mit in die Unabhängigkeit geben. Der mauritischen Regierung im Wartestand setzten die Briten ein Ultimatum: Entweder kommt schnell die Unabhängigkeit ohne die Chagos-Inseln – oder es gibt gar keine Unabhängigkeit.

1965 wehte über den Chagos-Inseln erstmals die Flagge der “Britischen Territorien im Indischen Ozean”. Die Insel Diego Garcia wurde kurz danach wie vereinbart an die USA verpachtet, für zunächst fünfzig Jahre. In einem Brief an die Regierung des Vereinigten Königreichs in London forderte die US-Armeeführung, die Insel sei zu “räumen und danach zu säubern”, sprich menschenleer zu übergeben.

Dieses Militärareal auf Diego Garcia, der größten Chagos-Insel mit einem weltweit einmaligen Naturhafen, ist heute einer der größten US-Militärstützpunkte der Welt. Von der strategisch günstig gelegenen Insel werden Luftangriffe auf Afghanistan, den Irak und Pakistan geflogen. Aus England startende strategische US-Bomber werden nach Erreichen ihrer Zielgebiete hier aufgetankt und neu munitioniert auf den Rückweg geschickt.

Im August 2003 wurde bekannt, dass auf Diego Garcia ein Gefangenenlager nach dem Vorbild von Guantánamo Bay auf Kuba angelegt wurde. Der Washington Post zufolge wurden in dem kaum bekannten Lager mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen gefangen gehalten. Bis zur zufälligen Enttarnung des Lagers handelte es sich anders als bei Guantánamo um ein komplett geheim gehaltenes Lager.

Wenn dann spätestens in den Jahr 2015-2017 der Pachtvertrag der US-Armee mit den Briten ausläuft, steht für die Airbase ein Umzug ins Haus. Es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass für den neuen Standort die nördlichste Hafenstadt von Madagaskar vorgesehen ist:  Diego Suarez oder von den Einheimischen Antsiranana genannt.

“Nachdem in absehbarer Zeit der Nutzungsvertrag der USA für den englischen Marinestützpunkt Diego Garcia im indischen Ozean abläuft, könnte es sein, dass der natürliche Hafen von Antsiranana im Norden Madagaskars nebst bestehenden Werften eine denkbare Alternative darstellt. Die Hoteliers in der Stadt, europäisch Diego Suarez genannt, haben sich in letzter Zeit verwundert die Augen gerieben, wie viele amerikanische Touristen plötzlich die Stadt für sich entdeckt haben.” So zu lesen beim Madagaskar-Kenner ed2murrow.

Wer diesen Sachverhalt berücksichtigt kommt nicht umhin, das US-amerikanische Engagement in Madagaskar seit 2002 neu zu bewerten. Inklusive der “Peace Corps” Aktivitäten.

Hintergründe und mehr Informationen zur Situation der Ex-Chagos Bewohner auf Mauritius gibt es bei der taz.

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