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Mein Gewissen ist rein

Mann, bin ich froh, dass ich keinen Job in der neuen Obama Regierung suche. OK, als nicht US-Bürger und Freund deutscher Kulturlandschaften stellt sich die Frage eigentlich nicht, aber…

Potentielle Mitarbeiter des künftigen Präsidenten Barack Obama müssen einen umfassenden Gewissenstest absolvieren. Auf jeden Bewerber wartet ein obligatorischer siebenseitiger Fragebogen, den die diesmal echte “New York Times” am Donnerstag auf ihrer Internetseite veröffentlichte.

Diese junge Dame kann ungestraft sagen: “Mein Gewissen ist rein, da kann ich auch Mitarbeiter von Barack Obama sein.”

Aber gehen wir die möglichen Fragen einmal auszugsweise durch:

  • “Wenn Sie jemals ein Tagebuch geführt haben, das etwas enthält, das einen Interessenskonflikt darstellen könnten oder Sie, Ihre Familie oder den gewählten Präsidenten in Verlegenheit bringen könnte, beschreiben Sie es.” - Dumm gelaufen für Blogger und Besitzer eines Flickr-Accounts.
  • “Bitte legen Sie alle Reden, die sie je gehalten haben, offen.”Liebe Mitschüler, Lehrer und Eltern, ich freue mich…
  • Strafzettel von über 50 Dollar – wer kann sich da noch an alle erinnern?
  • Alle Geschenke im Wert von über 50 Dollar benennen, die der Bewerber oder sein Partner jemals von einer Person angenommen haben, die nicht mit Ihnen verwandt oder eng befreundet ist – Wie frage ich meine Frau?
  • Besitzt der Bewerber oder ein Mitglied seiner Familie eine Waffe? – Für Deutsche eigentlich kein Problem.
  • “Bitte beschreiben Sie und, wenn möglich, schicken Sie uns alle Bücher, Artikel, Kolumnen oder Publikationen (auch, aber nicht nur Schreiben und Kommentare auf Blogs und Websites), die von Ihnen stammen, allein verfasst oder mit jemand anderem. Bitte listen Sie alle Alias-Namen, die Sie je benutzt haben, um im Internet zu kommunizieren.” - Hammer!
  • “Bitte stellen Sie Kopien all Ihrer Einkommensquellen und der Ihres Partners der letzten zehn Jahre zur Verfügung.” - Klingt eher nach einem ALG II Erstantrag.
  • “Bitte beschreiben Sie die Vertragskonditionen für jeden Immobilienkredit, den Sie besitzen, auch die Monatsrate, das Datum, den Vertragspartner und alle anderen speziellen Umstände im Rahmen ihres Immobilienerwerbs.” – Immobilienkrise einmal anders.
  • “Bitte listen Sie jede Mitgliedschaft der vergangenen zehn Jahre auf, auch die in Aufsichtsräten, die Sie oder Ihr Partner besitzen oder besaßen: In politischen, zivilen, sozialen, gemeinnützigen, erziehungspolitischen, beruflichen, bruderschaftsähnlichen, mildtätigen oder religiösen Organisationen, privaten Clubs oder anderen Mitgliederorganisationen.” - Das mit den privaten Clubs wird spannend!
  • “Sind Haushälterin, Kindermädchen und Fahrer etwa Immigranten – und wurden für sie Abgaben bezahlt?” - Bekannt als die  “Washington Falle”.
  • “Bitte geben Sie uns jede andere Information, auch über andere Mitglieder Ihrer Familie, die einen Interessenkonflikt bedeuten oder und peinlich für Sie, Ihre Familie oder den gewählten Präsidenten werden könnte”. - Kein Problem, denn Sie sind und waren immer rundum perfekt! Oder?
  • “Haben Sie persönliche Feinde, die gegen Ihre künftige Anstellung vorgehen könnten – offen oder verdeckt, mit fairen oder unfairen Mitteln?” - Die CIA, FBI, Ex-Frau oder der Nachbar?
  • “Beschreiben Sie die schwierigste Angelegenheit, mit der Sie während Ihrer Karriere konfrontiert wurden.” - Klare Sache, dieser Fragebogen für den Job eines Obama-Mitarbeiters!

Der Test umfasst insgesamt 63 Fragen und ist an Detailverliebtheit unübertroffen in der Geschichte der Administration in Washington.

Der Bewerber muss auch angeben, ob er jemals “eine Form der elektronischen Kommunikation benutzt” hat, ob nun “E-Mails, SMS oder Instant Messenger”. Auch hier folgt die schlichte Aufforderung, die verschickte Post zu beschreiben, sollte sie “einen Interessenkonflikt” darstellen. Ist mit OpenGovernment im Personalbereich also eher OpenAssessment gemeint?

Da bleibt manchem Bewerber nur der verzweifelte Ruf nach einem digitalen Reset, nicht nur bei Google.  Auch auf allen Rechnern dieser Erde. Aber wie schon gesagt, bin ich froh, dass ich keinen Job in der neuen Obama Regierung suche.

Von Amerika lernen

Deutsche Personalchefs können sich den Questionnaire for Job Applicants als PDF herunter laden und sich inspirieren lassen. Die New York Times sagt es kurz und treffend: For a Washington Job, Be Prepared to Tell All.

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