Anzeige
ImmobilienScout24 - Immobilie suchen, Wohnung, Haus, Grundstück zur Miete, zum Kauf
Planet VaoVaoWeb header image

Sarkozy und das Massaker von Paris

Der gefeierte Fußballstar in der französischen Nationalmannschaft Zinedine Zidane soll einmal gesagt haben: “In erster Linie bin ich ein Kabyle aus LaCastellane (einem Viertel in der Banlieue von Marseille), dann ein Algerier aus Marseille und dann ein Franzose”.

Besonders unangenehm ist vielen Franzosen in diesem Zusammenhang die Erinnerung an die friedliche Demonstration von Algeriern in Paris, die am 17. Oktober 1961 von Einheiten der dem Innenministerium unterstehenden CRS (Compagnie Républicaine de Sécurité) brutal niedergeknüppelt wurde.

Allein dieser Einsatz soll mehrere Dutzend Todesopfer gefordert haben, für die kein einziger der an dem Massaker beteiligten Polizisten je zur Rechenschaft gezogen worden ist. Die Wikipedia listet das Ereignis so:

1961: Massaker von Paris: Eine Demonstration von 30.000 Algeriern in Paris gegen eine wegen des Algerienkrieges über sie verhängte Ausgangssperre führt zu einem Blutbad mit einer unbekannten Zahl von Toten, Tausenden von Verletzten und 14.000 Verhaftungen unter der Verantwortung des damaligen Polizeipräfekten Maurice Papon.

Wer diese historische Tatsache in Frankreich verbreitet, der bekommt es nachhaltig mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy persönlich zu tun.

In Frankreich ist jetzt in einem Verleumdungsprozess entschieden worden, der seit über fünf Jahren in mehreren Instanzen anhängig war. Die außergewöhnliche Dauer des Prozesses hat in Frankreich die Frage aufgeworfen, welchen Stellenwert die Redefreiheit im Mutterland der Bürgerrechte überhaupt noch hat. Denn die Hartnäckigkeit, mit der dieses Verfahren betrieben wurde, hatte vor allem einen Grund: Die Klage führende Prozesspartei war der damalige Innenminister Nicolas Sarkozy, der den Rapper Mohamed Bourokba, bekannt als Hamé, wegen Verleumdung der französischen Polizei gerichtlich verfolgen ließ. Trotz Freispruches wurde das Verfahren mit der Wahl von Nicolas Sarkozy zum Staatspräsidenten wieder aufgenommen.

Hamé hatte im September 2002 in einem Artikel die Behauptung aufgestellt, das Innenministerium würde Hunderte von Morden, die Polizeikräfte an Immigranten verübt hätten, nie eingestehen, geschweige ahnden.

Über das Massaker von Paris wurde 1961 in den Medien praktisch nicht berichtet, und bis heute handelt es sich um ein in der französischen Gesellschaft teilweise tabuisiertes Ereignis.

Einer, der sowohl im NS-Regime als auch im Algerienkrieg eine Rolle spielte, hat unfreiwillig Mitte der 90er-Jahre zur Aufklärung des Massakers beigetragen: Ausgerechnet Maurice Papon, einstmals hoher Vichy-Beamter, der die Juden-Deportationen aus Bordeaux organisierte – wofür er heute im Gefängnis sitzt – und der in den 60er-Jahren Pariser Polizeipräfekt war. Aus dem Gefängnis heraus strengte Papon ein Verleumdungsverfahren gegen den Historiker Jean-Luc Einaudi an, der mehrere Bücher über das Massaker von Paris geschrieben hat.

Als Papon im Jahr 1999 seine Klage verlor, erfuhr ein Teil der französischen Öffentlichkeit erstmals, dass Polizisten in ihrer Stadt in einer Oktobernacht des Jahres 1961 tatsächlich zwischen 32 und 200 Menschen ermordet haben und von der Pont Saint Michel in die Seine warfen.

Verwandte Artikel:

  1. Nicolas Sarkozy macht keine Weihnachtsferien
  2. “Sarkozy, out of Chad”
  3. Nicolas Sarkozy allein zu Hause
  4. Sarkozy Partout
  5. Die Rückkehr zur Vor-Sarkozy-Diplomatie

Bookmark:  Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen   Über die Webnews Leiste bookmarken   Tweet this   ShortNews   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen yigg it


Kommentieren

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, daß der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluß aktuell zugewiesen ist, von mir im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder sonst weitergegeben.

Aktuelles

zum Thema: Geschichte