Wenn etwas grundlegend falsch läuft, dann ist immer öfter ein Computer Programm schuld. Erstaunt nahmen wir zur Kenntnis, dass ein veralteter Artikel im Archiv der Online-Presse erneut von Google als tagesaktuell indiziert wurde und den Aktienkurs einer amerikanischen Fluggesellschaft quasi per Programmsteuerung ins Bodenlose abstürzen ließ.
Jeden Tag neue Hiobsbotschaften
Die KfW Bankengruppe bzw. KfW (früher bekannt als Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist eine Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) und ihre Aufgabe besteht in der Realisierung von öffentlichen Aufträgen wie die Förderung von Mittelstand und Existenzgründern, die Gewährung von Investitionskrediten an kleine und mittlere Unternehmen sowie die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben und Wohnungsbau, die Finanzierung von Energiespartechniken und der kommunalen Infrastruktur. Da erstaunt es den Laien sehr, die KfW in den Top-Nachrichten einer anderen Liga wieder zu finden.
Die staatliche Förderbank KfW war bereits durch die Rettung der Mittelstandsbank IKB mit erheblichen Milliarden-Summen belastet. Die KfW hatte noch am vergangenen Montag, als die Insolvenz von Lehman Brothers längst bekannt war, 300 Millionen Euro (300.000.000 €) oder auch mehr an das schon insolvente US-Institut überwiesen. Verantwortliche sprechen verschwörerisch von “einer 3 stelligen Millionennsumme im mittleren Bereich”, also wären auch 600 Millionen Euro Verlust im Bereich der Geständnisse zu erwarten.
Die Transaktion sei im Rahmen eines Swap-Geschäftes erfolgt. Dabei handelt es sich um Termingeschäfte zur Absicherung von Währungskursrisiken. Hier erfolgen Zahlungen nicht sofort, sondern – oft automatisch vom Computer ausgeführt – zu einem späteren Zeitpunkt. Ja, und zu diesem späteren Zeitpunkt wusste schon jeder Kleinsparer in der weit entlegenen Provinz, dass die Investment-Bank Lehmann Brothers unrettbar pleite war.
Automatische Zahlung trotz Pleite-Gerüchten
Bereits am vergangenen Wochenende verdichteten sich unübersehbar die Hinweise, dass Lehman Brothers vor der Pleite stand. Dennoch wurde bei der KfW die Zahlung ausgelöst. Wer bereits in der letzten Woche die Zahlung angewiesen hat, was schon der Hammer ist, vergaß wohl übers Wochende, dass es in dieser Woche ausgeführt wird. Die KfW soll nach der Überweisung noch hektisch versucht haben, die Transaktion zu stoppen. Dies sei nicht gelungen. Wurde diese Option von der eingesetzten Software nicht unterstützt oder kannte der diensthabende Finanzjongleur das Passwort nicht? Ein Praktikant im Serverraum? Bei einem Verlust von 300 Millionen Euro spricht das Finanzministerium in Berlin nur von “verwunderlich” oder “ärgerlich”. Aha! Peanuts sozusagen.
Der Sicherungsfond ist praktisch schon weg
Spötter reden schon vom “deutschen Beitrag zur Wall-Street-Sanierung”. Aber es kommt noch schlimmer. Die Pleite von Lehman Brothers bringt auch den Einlagensicherungsfonds in der Bundesrepublik in Not. Die deutsche Tochter der US-Investmentbank ist wohl dem Fonds mit einer Deckungssumme von bis zu sechs Milliarden Euro angeschlossen, berichtet das “Handelsblatt”. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums betrage das Volumen des Sicherungsfonds aber nur 4,6 Milliarden Euro. Einige ausfallende kleinere Banken kann der Fonds wohl verkraften, aber solch ein Kaliber? Stehen also schon bald die Kleinsparer vor verschlossenen Bankschaltern und schalten die Direktbanken ihre Server ab? Auch weitere Zusammenbrüche von Banken in Deutschland sind nicht auszuschließen.
Es gehört zu den Ritualen einer Bankenkrise, letztendlich auch die Kleinanleger mit allen Mitteln zu beruhigen, damit sie nicht in einem Massenansturm ihre Ersparnisse abziehen wollen. Das wäre das Ende des Bankensystems, so wie wir es bisher in der Geschichte der BRD kannten. Nur so sind die vielen beruhigenden Statements der Politiker und Bankenchefs einzuordnen. Denn eines ist sicher: Die Liquidität auch der deutschen Banken kann nach den vielen Rückschlägen auf dem US-Markt so dolle nicht mehr sein. Was schon seit einem Jahr vorhergesagt wurde, findet jetzt statt: Eine Spekulationsblase platzt mit großem Getöse, weil ganze Gesellschaften zu lange nur “auf Pump” gelebt haben – oder aussichtslose Kriege führen.
Kompetenz beim Gehaltspoker
KfW-Chef Schröder, der erst Anfang September 2008 an die Spitze der KfW Bank berufen wurde, boxte für sich eine Gehaltsverdoppelung auf über 800.000 Euro pro Jahr durch. Und morgen lesen wir dann in der Red-Press wahrscheinlich nicht die Headline: “Hartz IV Empfänger verlangen Aufklärung über den Verbleib der Steuermittel.” Eher Sensationen wie “Nutella-Kevin mit einer anderen Sorte Nuss-Nougat-Creme erwischt…”
Und wie weiter
Genau so: Vom Verwaltungsrat der KfW wurde beschlossen, dass die IKB-Bank, deren Pleite nur abgewendet wurde, in dem KfW und damit der Steuerzahler mit bis zu neun Milliarden gerade stehen, gerade einmal für 115 Millionen Euro (90 Prozent der Aktien) an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft wird. Neben der Finanzpolitik macht sich eine technische Panne da eher nebensächlich.
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