Die privaten katholischen Schulen in Madagaskar haben beschlossen, nicht an der Bildungs-Reform des “Bildung für alle” Programms der Regierung teilzunehmen.
Der Leiter der katholischen Kirche, Monsignore Odon Razanakolona, sagte in einer Pressemitteilung am Samstag, die katholischen Bischöfe hätten am Ende einer dreitägigen Konferenz beschlossen, dass die katholischen Schulen sich nicht an der Durchführung der Bildungsreform beteiligen werden. Damit gehen sie auf Konfrontationskurs mit dem protestantischen Präsidenten der Republik Madagaskar, Marc Ravalomanana.
Die Auseinandersetzung ist anscheinend auch ein Sprachenstreit. Nach Angaben der Behörden und Bildungseinrichtungen soll die Unterrichtssprache Französisch von Madagassisch abgelöst werden. Zudem soll die Dauer der Grundschule auf sieben Jahre verlängert werden. Das sind die Essentials der Reform.
Die katholischen Schulen, die 40 Prozent der Privatschulen in Madagaskar vertreten, sind von der Reform, nicht überzeugt, besonders nicht von der Verwendung des Madagassischen als Unterrichtssprache, wie das katholische Radio, Radio Don Bosco, am Samstag mitteilte.
Aber sie versprach ihre Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung und die Durchführung der Reformen in ihren Schulen, falls sie die Auswirkungen der Reform an anderen Schulen nach einigen Jahren kennen.
In Madagaskar gliedert sich das nationale Bildungssystem in vier Stufen, nämlich die Grundschule, das College, Gymnasium und Universität.
Im Rahmen des Bildungsgesetzes des madagassischen Parlamentes vom vergangenen Juni soll die Primarschule von 5 auf 7 Jahre verlängert, das College um ein Jahr auf 3 Jahre gekürzt und die Zeit am Gymnasium bis zum Abitur nur noch 2 statt 3 Jahre betragen. Somit liegt der Schwerpunkt bei “mehr Bildung für alle”.
Das Parlament hat außerdem beschlossen, dass Madagassisch die Unterrichtssprache für die ersten fünf Jahre sein wird, während Französisch und Englisch als Fächer für den den Unterricht vorgesehen sind.
Die Reform soll zunächst im Schuljahr 2008-2009 in 20 Internaten mit Unterstützung der Weltbank durchgeführt werden und in Folgejahr auf 45 weitere Schulen ausgedehnt werden.
Präsident Marc Ravalomanana habe gesagt, dass die Reformen auf die Schaffung kompetenter Schulen in einem Bildungssystem zielen, die internationalen Standards in Bezug auf Qualität und Effizienz genügten, so dass Madagaskar seine Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Wirtschaft erreichen könne.
Die Weltbank habe Zuschüsse in Höhe von 125 Millionen US-Dollar zur Unterstützung der Bildungs-Reform auf der Insel zugesagt.
Demnach kann vermutet werden, dass die katholischen Schulen auch dadurch ins Hintertreffen geraten könnten, dass sie bei der Umstellung finanziell nicht unterstützt werden. Zudem ist das neue Modell für die ländliche Bevölkerung ein schwerer Brocken. Deren Kinder schaffen aus wirtschaftlichen Gründen oft noch nicht mal die 5 jährige Grundschule, in der sie wenigstens fit in der Amtssprache Französisch werden. Und so könnte das Programm auch “weniger Bildung für viele” mit sich bringen.
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