Marc Ravalomanana ist der Präsident der Tropeninsel Madagaskar, allmächtiger Tiko-Tycoon, bekennender Christ und dennoch dem Aberglauben nicht abgeneigt. Er stellte fest, das böse Geister Frankreichs Vertreter auf Madagaskar, den Diplomaten Gildas le Lidec umgeben. Anlässlich eines Besuches bei Nicolas Sarkozy beschwor Marc die böse Aura des hochrangigen Diplomaten. Er sei auf der Insel deshalb nicht mehr erwünscht.
In seiner Rede zum 14. Juli, Frankreichs Nationalfeiertag, gab Gildas Le Lidec dann bekannt, er lege sein Amt nach nur sechs Monaten nieder. Nicht freiwillig, nein, mit großem Bedauern. Doch Madagaskars Präsident Marc Ravalomanana lasse ihm keine Wahl. Dieser weigert sich nämlich, den diplomatischen Vertreter seines wichtigsten Handelspartners zu empfangen. Er soll Nicolas Sarkozy darum gebeten haben, ihn von Le Lidec zu befreien.
Auf der roten Insel vor Afrikas Ostküste gedeihen nicht nur Vanille und Pfeffer, sondern auch böse Geister. Und deren Botschafter scheint Gildas Le Lidec genauso zu sein wie jener Frankreichs: Wurde nicht, als er im Kongo stationiert war, Präsident Laurent-Désiré Kabila ermordet? Wäre während seiner Mission in der Côte d’Ivoire nicht Präsident Laurent Gbagbo beinahe von der Macht geputscht worden? Hat der madagasssiche Präsident ein fundiertes Insider-Wissen über die Grundzüge der französischen post-kolonialen Afrika-Politik?
Und weshalb begleitete Le Lidecs Ankunft in Madagaskar ein verheerender Wirbelsturm? Nun, soweit reicht der Arm des Ex-Kolonialherrn nun doch nicht. Und welches Unglück brachte der “Botschafter des Bösen” den Japanern bei, deren Sprache er sogar beherrscht?
Aber für die regierungsnahen Medien in Antananarivo Indizien genug, um zu fragen, was Frankreich mit der Entsendung eines derart vom Unheil verfolgten Botschafters wohl beabsichtige. Gewiss soll er dem Präsidenten den Tod bringen, spekulierte ein Blatt.
Möglich, dass der seit 2002 regierende Präsident diese Befürchtungen teilt. Möglich auch, dass es ihm nur darum geht, der Grande Nation eins auszuwischen. Der “afrikanische Berlusconi” vereint auf sich Afrikas Widersprüche: Er ist modern, aufgeschlossen, ein gewiefter Geschäftsmann. Gleichzeitig ist er ein autoritärer Staatsmann und Protestant, der den Glauben an seinen nüchternen Gott mit Ehrfurcht vor der Zauberei und den Razana verbindet, den verstorbenen, im Leben ihrer Nachkommen aber gegenwärtigen Ahnen. Bei deren Namen und gleichzeitig beim Namen Gottes wird in Madagaskar der Eid auf die Verfassung geschworen.
Der als nachtragend bekannte Präsident wird wohl nicht vergessen haben, dass Frankreich 2002 bis zu letzt zu seinem frankophonen Gegner Didier Ratsiraka stand. Der Präsident mag eben lieber Amerikaner und Deutsche, Franzosen eher nicht.
Gildas de Lidec (Chevalier de la Légion d’honneur) wird diese Pleite zum Ende seiner diplomatischen Laufbahn sicher verkraften. Die Reaktionen von Nicolas “partout” Sarkozy sind bisher nicht bekannt.














