Wenn es nach meiner ersten Madagaskar Reise 1998 schon eine so ausgefeilte Travel Community wie dodo.com gegeben hätte, wer weiß, vielleicht wäre dann in meinem Leben einiges anders gelaufen. Nachdem ich voller faszinierender Eindrücke und Bildern im Kopf zurück in der Heimat war, gab es niemanden im Familien- und Bekanntenkreis, der mit meinen Schilderungen der intensiven und fremdartigen Insel Madagaskar so recht etwas anfangen konnte. Eine fremde Welt, von der man noch nicht einmal die genaue Lage kannte. Da war doch was mit Vanille, Pfeffer, Lemuren und diesem Seemannslied, oder? Bei der Erwähnung von Ahnenkult, Totenumbettung, ökologischen und sozialen Problemen inklusive der erotischen “as-if-there-is-no-tomorrow” Partystimmung in den tropischen Discos wandten sich Gesprächspartner eher irritiert ab. Also entschloss ich mich, meine Eindrücke in eine eigene Homepage umzusetzen und blieb so im Kontakt mit anderen Madagaskar-Kennern. Und dieser Virus machte mich letztendlich zum Webmaster!
Aber Homepages sind Out, Reiseblogs liegen verstreut im unüberschaubaren digitalen Webspace herum und die Mega-Applikation Flickr bietet naturgemäß nicht den Raum für anspruchsvolle Berichte und Texte. Zudem ist deren Zielgruppe zu unbestimmt. Nur gut, dass Daniel Hoffmann und Axel Lehmann im März 2008 die internationale Reise Community dodo.com aus der Taufe hoben, um Reisende weltweit miteinander zu verbinden und den uneingeschränkten Austausch von Reiseerfahrungen zu fördern.
Um herauszufinden, was hinter dem schnellen Erfolg der Community steht, habe ich die kostenlose und einfache Registrierung durchgeführt, das Hotel meines letzen Familienbesuches in Toliara – Madagaskar dank dem Google Maps Marshup unterm großen Mangobaum lokalisiert und flugs mit einem kleinen Reisebericht über Reisen mit kleinen Kindern nach Madagaskar begonnen. Der Bilder-Upload zum Eintrag funktionierte tadellos und damit sich die schon anwesenden Reisefreunde nicht allzusehr wundern, noch schnell einige persönliche Daten ins Profil eingepflegt. Wer jetzt schon Fragen hat, weiß wie er mich finden kann. Nur Videos kann ich keine liefern, mangels eigener Cam.
Das Portal präsentiert sich im klaren schörkellosen Web 2.0 Look und unterstützt mit reichlich Ajax, was den Komfort beim Ausfüllen der notwendigen Formulare hebt. Einen WYSIWYG Editor für die Eingabefelder wie z.b. in WordPress sucht man aber vergeblich, was aber letztendlich dem einheitlichen Look & Feel des Portals zu Gute kommt. HTML wird konsequent ignoriert, die Texte der Autoren stehen im Vordergrund, sollte ja auch Sinn der Sache sein.
Denn es sind die Autoren mit ihren Ideen, Detailwissen und aktuellen Berichten, die dodo.com zu einer universellen Schatztruhe für Reisefreunde macht. Bisher völlig unbelästigt von irgend einer erkennbaren Werbung. Noch nicht einmal die beinahe unvermeidlichen Google Anzeigen sind zu entdecken. Da stellt sich doch sofort die Frage nach dem Geschäftsmodell. Ein Blick in die übersichtlichen und klar formulierten AGB’s deutet eine Möglichkeit der zukünftigen Vermarktung an, die etwas mit dem Mega-Thema “Urheberrechte” zu tun haben könnte.
§7 Urheberrechte (3)
Entsprechend dem Zweck von dodo.com, eine stets wachsende Sammlung von Inhalten zum Thema Reisen und Auslandsaufenthalten bereitzustellen, können darüber hinaus die Inhalte des Nutzers (z.B. Reisebilder und -videos, Forenbeiträge) auch nach Beendigung der Registrierung hinaus genutzt werden. Der Nutzer überträgt insoweit bei Übermittlung der Inhalte unentgeltlich ein einfaches Nutzungsrecht an jedermann. Das “Eigentum” des Nutzers an den Inhalten und sein Recht, als Urheber benannt zu werden, bleibt natürlich unberührt. Auch ist eine entgeltliche Weitergabe der Inhalte einschließlich der Vermietung durch dodo.com oder Dritte ausgeschlossen.
Auf mich wirkt das erst mal beruhigend und ich muss nicht befürchten, dass meine verkannte Reisereportage samt Bildmaterial plötzlich im GEO erscheint, im best geträumten Falle natürlich.
Einen kleinen Verbesserungsvorschlag habe ich dennoch: Leider ist noch keine Linkmöglichkeit auf eigene Webadressen zum Thema vorgesehen. Mindestens im Profil ist das im Social Web schon ein Standard, um den Autoren ein paar Besucher zu schenken.
Zum Beta-Start von dodo.com haben die Macher ein Gewinnspiel ausgeschrieben. Wer regelmäßig Tagebucheinträge und Reisetipps schreibt, erhält dafür Lose, mit denen er eine Weltreise im Wert von 10.000€ gewinnen kann. Nicht der einzige Grund für eine Anmeldung bei dodo.com, um ein Teil der Reise-Community zu werden.
Mein Fazit
Ein informatives und schlankes Portal für Reisethemen und Tipps ohne störenden Schnick-Schnack. Das kann man auch von schmalbandig ans Internet angeschlossenen Internet-Cafés aus für seine Reisetagebücher nutzen. Und wer war dieser Vogel namens Dodo, der schon vor mehr als 300 Jahren auf Mauritius ausgestorben ist? Aber lest doch selbst!
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Toll geschrieben. Gefällt richtig gut dein Review. Vielen Dank.
Ulrike
dodo.com – Team