Auch das noch: Auf der Afrika vorgelagerten Tropeninsel Madagaskar grassiert das Rift Valley Fieber. In 6 der 22 Regionen des Inselstaates starben bereits 17 Menschen daran, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurde bei 59 Patienten der Ausbruch des Fiebers vom Labor des Institutes Pasteur in der Hauptstadt Antananarivo bestätigt.
Das Fieber äußert sich durch Kopf-und Muskelschmerzen sowie Übelkeit, es kann aber auch zu inneren Blutungen und Leberschäden führen. Das Landwirtschaftsministerium, dem auch etliche Fieberfälle bei Zebu-Rindern bestätigt wurden, will ein weiteres Ausbreiten der Krankheit mit Hilfe der Weltgesundheitsorganisation verhindern. Das Rift Valley-Fieber trete meist bei Tieren auf, könne aber auch auf Menschen übergreifen. Die Behandlungskosten werden in Madagaskar vom Gesundheitsministerium übernommen, wobei es dort wegen der oft unzugänglichen Regionen schwierig sei, die Krankheit rechtzeitig zu diagnostizieren.
Was ist das Rift-Valley-Fieber?
Das Rift-Valley-Fieber-Virus (RVFV) kam erstmals in die Schlagzeilen, als es im Jahr 2000 außerhalb des afrikanischen Kontinents, in Saudiarabien und Jemen, eine große Epidemie verursachte. Ursache war der Import infizierter Rinder aus Somalia. Bekannt ist es aber schon länger. Das Virus wurde erstmals 1930 während einer Epidemie unter Schafen im ostafrikanischen Rift-Valley (dem ostafrikanischen Graben) isoliert. 1950 kam es zu einem Ausbruch der Virusinfektion in Südafrika, bei dem etwa 20.000 Menschen erkrankten. Die bisher größte Epidemie gab es 1977 in Ägypten. Innerhalb von vier Jahren wurden rund 200.000 Personen krank, von denen 600 starben. In Kenia kam es zuletzt im Winter 1997/98 zu einem Ausbruch, dem etwa 700 Menschen zum Opfer fielen. Durch unkontrollierten Tierhandel sowie die Migration infizierter Menschen ist die Verschleppung auch in andere Regionen möglich und hat im Fall Madagaskar sogar sogar eine Insel erreicht.
Das RVFV (Rift-Valley-Fieber-Virus) gehört zur Familie der Bunyaviridae, Genus Phlebovirus. Die Infektion gilt als klassische Epizoonose, die sowohl in der empfänglichen Nutztierpopulation als auch beim Menschen zu einer erheblichen Morbidität und Mortalität führt.
Auf den Menschen übertragen wird das Virus durch Stechmücken der Gattung Culex sowie Aedes und Phlebotomus. Auch beim Schlachten von infektiösen Tieren kann es zur Übertragung auf den Menschen kommen. Der Kontakt mit Blut oder Organen infektiöser Tiere oder Kadavern ist zu vermeiden. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch kommt in der Regel nicht vor.
Importierte Infektionen bei Reisenden, die sich in endemischen Gebieten aufgehalten hatten, haben schon stattgefunden. Die Inkubationszeit der RVFV-Infektion beträgt etwa 3 bis 7 Tage. Die akute Infektion beginnt mit einer grippe-ähnlichen Symptomatik. Zudem tritt ein abrupt einsetzendes Fieber auf, das über 2 bis 5 Tage anhält. Daneben kommt es zu Gelenkschmerzen, Beschwerden des Magen-Darm-Traktes sowie zu Hautausschlag. Schwerwiegende Komplikationen können in etwa 5% der Fälle auftreten:
- Leberzellnekrose durch Einblutungen (Haemorrhagie) – Nach 3 – 4 Tagen kommt es bei 1 % der Erkrankten zu einer heftigen Hepatitis, oft mit tödlichem Ausgang.
- Entzündung der Netzhaut (Retinitis) mit Erblindung – Bei 1 % entzündet sich 2 – 3 Wochen nach dem ersten Fieberanfall die Netzhaut, was zur Erblindung führen kann.
- Entzündung des Gehirns und der Hirnhaut (Meningoenzephalitits) – 1 – 2 Wochen nach Abklingen des Fiebers tritt manchmal eine zumeist tödlich verlaufende Hirnhautentzündung ein.
Zum Schutz vor einer RVFV-Infektion stehen zwar zwei wirksame und gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung. Aber diese Impfstoffe sind in Deutschland nicht zugelassen. In den USA wurde die Produktion des Impfstoffes aus ökonomischen Gründen vor Kurzem eingestellt.
Vorsorge
Wer sich in einem RVFV-Endemiegebiet aufhält, sollte auf einen konsequenten Schutz vor Mückenstichen durch Repellenzien und das Tragen von tropentauglicher Kleidung zu achten. Besondere Vorsicht ist beim Umgang mit Tierkadavern angeraten.
Aussicht
Die infizierten Mückeneier sind jahrelang im Erdreich überlebensfähig. Schwere Regenfälle führen zum Schlüpfen der Insekten mit nachfolgenden Rift-Valley-Fieber-Epidemien bei Menschen und Nutztieren. Bei den sozialen, sanitären und medizinischen Verhältnissen auf Madagaskar mit seinen starken Regenfällen bei Zyklonen kann das Überspringen des RVFV vom afrikanischen Festland auf die bisher als sicher geltende Insel als folgenschwere Katastrophe eingeordnet werden.














