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Schuld sind immer die anderen

Beans“Der internationalen Nahrungsmittelindustrie gehe es in erster Linie um Gewinnmaximierung und nicht um Versorgung der Menschen”, erklärte Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz pressewirksam zum Wochenende und hat damit auch den Hauptschuldigen der weltweiten Nahrungsmittelkrise gefunden: den Saatgut Konzern Monsanto mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. So funktioniert also der Kapitalismus, Herr Seehofer, das war uns neu!

Monsanto erforscht, produziert und verkauft gentechnisch verändertes Saatgut. Derzeit stammen 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen-Pflanzen von Monsanto. Es wird kritisiert, dass auch die Wasser- und Aquakultur-Geschäfte des Unternehmens das Ziel verfolgten, die für das Überleben lebenswichtigen Ressourcen zu monopolisieren und in einen Markt zu verwandeln.

Monsanto bemüht sich verstärkt um den Ausbau seiner Marktposition bei der Produktion von Lebensmitteln und Saatgut, die von Kritikern als weltweites Monopol bezeichnet wird. Kritisiert wird etwa die vertragliche Bindung der Landwirte an das Unternehmen, die es ihnen verbietet, die eigene Ernte als Saatgut wieder zu verwenden und eine weitreichende Kontrolle der Landwirte erlaubt, um Patentverletzungen vorzubeugen. Ebenso ist es den Landwirten im Konfliktfall nicht gestattet, sich gegenüber Dritten zu äußern. Weiterhin müssen sich diese Landwirte vertraglich dazu verpflichten, im Falle von Ernte- oder Ertragsausfällen (z. B. Rückgang der Fruchtbarkeit bei Zuchtschweinen) nicht gegen das Unternehmen Monsanto zu klagen.

Monsanto tritt auch als Aufkäufer von Saatgutherstellern in Erscheinung. Ziel ist offensichtlich, auch in diesem Bereich eine marktbeherrschende Stellung zu erreichen. Auch ist bekannt, dass der Konzern Regierungen unter Druck setzt, um die Vielfalt der regionalen Saatgüter zu beseitigen.

Und natürlich ist Herr Seehofer trotz seiner Austrocknungspolitik des ökologischen Landbaus in Deutschland völlig unschuldig, hat sich nie für die Öffnung des EU-Marktes in Sachen Gen-manipulierter Nahrungsmittel eingesetzt und war schon immer ein energischer Systemkritiker. Wenn es um Agro-Sprit geht. “Wir haben aus Gründen des Klimaschutzes in Europa eine stärkere Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen beschlossen”. Und dann lernen wir, dass Agro-Sprit nicht auf dem heimischen Acker um die Ecke angebaut wird. “Der Vernichtung des Urwaldes für Nahrungsmittel oder für Biosprit müssen wir energisch die Stirn bieten. Ich schlage daher vor, dass EU-weit die Anrechnung von Biosprit auf die Kraftstoffquote nur dann zulässig ist, wenn die Rohstoffe für den Biosprit nicht aus gerodeten Urwäldern stammen. Wir legen auf nachhaltige Produktion wert.” Da bleibt mir doch glatt das sündhaft teure Sonntag-Frühstück-Brötchen im Hals stecken.

Inzwischen schlittert der Weltmarkt für Grundnahrungsmittel weiter in die Krise. Viele der Betroffenen brachten ihre Verzweiflung bereits in gewalttätigen Demonstrationen zum Ausdruck. In Haiti musste die Regierung zurücktreten. Unruhen gab es in Äthiopien, im Senegal, in der Elfenbeinküste, in Burkina Faso, Ägypten, Kamerun usw. Die vier größten Reisproduzenten China, Indien, Indonesien und Vietnam haben einen Exportstopp beziehungsweise Ausfuhrkürzungen bei dem Grundnahrungsmittel verhängt, um die Preise für die eigene Bevölkerung stabil zu halten. Auf den Philippinen hat die Armee damit begonnen, Reis an Bedürftige zu verteilen.

Exportkürzungen hier bedeuten fehlende Importe in Madagaskar, das bekanntlich die weltweit grösste Reis-Konsum Rate pro Kopf hat. Auch der Großen Insel stehen schwere Zeiten bevor.

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