Korruption gibt es überall auf der Welt, niemand leidet mehr darunter als arme Menschen. Die schlechtesten Erfahrungen gibt es mit Polizei und Justiz. In Zukunft wird es noch schlimmer – glauben nicht nur die notorisch ängstlichen Deutschen.
Das diesjährige Global Corruption Barometer zeigt, dass viel zu oft Menschen Teile ihres hart verdienten Geldes für Leistungen aufbringen müssen, die eigentlich umsonst sein sollten.
Gerade Entwicklungsländer die über Generation mit der allgegenwärtigen Korruption leben, gelten bei Fachleuten als verloren. Korruption hat sich hier als Gehaltersatz so etabliert, dass auch massive Kontrolle nichts anderes erreicht als die noch verdecktere und damit noch teurere Forderung nach Bargeld für ganz normale Verwaltungsabläufe und Dienstleistungen. Höhere Risiken ziehen eben auch höhere Geldforderungen nach sich.
Gerade das durch die Korruption ausgeblutete Madagaskar hat erfahren müssen, dass das neu eingesetzte und mächtige Unabhängige Antikorruptionsbüro (Bianco) schon Teil des Systems zu werden droht. Im Corruption Perceptions Index 2007 hat sich Madagaskar auf den Platz 94 von 179 hochgearbeitet, was aber die Stimmung im Land selbst nicht wiederspiegelt. Die von Weltbank und Geldgebern gelobte Existenz des Bianco Büros kann die über Generationen gelebte und gelernte Mentalität des Nehmens nicht von heute auf morgen verändern. Dazu fehlt die begleitende Anpassung der Gehälter an die explodierende Preisentwicklung der Lebenshaltungskosten. Hinzu kommt, dass hinter einem Gehaltsempfänger in der Justiz, Vewaltung oder Polizei eine ausufernde Großfamilie inklusive Clan erwartet, mit versorgt zu werden. Da kann auch der korrekteste Mensch nicht immer korrekt bleiben.
Natürlich können wir auch vor der eigene Türe kehren. In Europa soll es ausgerechnet das Gesundheitswesensein, in dem Schmiergeldforderungen am weitesten verbreitet ist. Alle reden von Siemens, aber niemand wundert sich über die eigenwillige Ost-Politik eines Ex-Bundeskanzlers, der dann plötzlich seinen Abschied aus der Politik als Gasman in Diensten des Kreml versüßt.
Der Bericht hebt hervor, dass in den Augen der Befragten religiöse Institutionen und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) am wenigsten bestechlich erscheinen, obwohl deren Image auch verblasst.
Korruption betrifft auch Touristen und Reisende, die aufgrund ihrer harten Währungsvorteile sich auch gerne mal unkonventionell Vorteile erkaufen. Wie krass es einen erwischen kann, erzählt der Autor Martin Amanshauser über einen Besuch in Moskau. Nichts deutete auf seinen Touristen-Status hin, bis er einmal vor einem Bauwerk ins Schlendern verfiel und sofort von Polizisten kontrolliert, d.h. überfallen wurde.
Polizei und Justiz sind in vielen Ländern Teil des Korruptionskreislaufs, der von Bürgern Schmiergeld verlangt. Somit ist von hier keine Hilfe zu erwarten. Transparency International sieht in der Forderung der Öffentlichkeit nach Rechenschaft von den Institutionen das beste Mittel die Korruption zu bekämpfen. Außerdem sieht sie ein gemeinsames Engagement von Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft als geeignete Maßnahme im Kampf gegen die Korruption. Wenn sie da nicht Siemens vergessen haben.
Aber beim Kampf gegen die Korruption gibt es keine Alternative, sonst droht die Auflösung der staatlichen Legitimität. Schlusslichter im TI-Index sind natürlich die “verlorenen Staaten” wie Haiti, Irak, und Somalia. Und Burma aus ganz anderen Gründen.
Der Joke des Tages zum Thema kommt aus Nigeria. Ausgerechnet Nigeria, mit Platz 147 im bösen unteren Drittel des Report gelistet. Die Regierung des afrikanischen Landes will an Siemens vorerst keine Aufträge mehr vergeben – wegen der andauernden Korruptionsvorwürfe. Siemens hatte eingeräumt, nigerianische Regierungsbeamte mit insgesamt zehn Millionen Euro bestochen zu haben. Wahrscheinlich die Falschen!












