Millionen von Menschen transferieren jedes Jahr Geld an Familienangehörige, die außerhalb der EU-Grenzen leben und meist kein eigenes Bankkonto besitzen. Gegen die extrem hohen Kosten der Überweisungen der Ärmsten regt sich Protest. Zuwanderer in den USA rufen schon zum Boykott von Western Union auf, dem weltweit größten und schnellsten Dienstleister für grenzüberschreitende Überweisungen. Der Vorwurf: Das Unternehmen verlange enorme Beträge von Migranten, die Geld in ihre Heimatländer überweisen.
Entwicklungsexperten sind schon lange über die Gebührenkataloge der Banken empört, denn die übermittelten Summen sind enorm und gelten als wichtige Finanzquelle armer Länder. Der Weltbank zufolge überweisen Zuwanderer in Industrieländern fast 170 Milliarden Dollar in ihre alte Heimat – mehr als das doppelte aller Entwicklungshilfe-Zahlungen. Manches Land in Afrika wäre ohne die Überweisungen seiner Staatsangehörigen an die Familie in der Heimat aufgeschmissen.
Denn gerade die Ausgaben für Bildung und Gesundheit kommen direkt vom Western Union Schalter in die Kassen der sozialen Einrichtungen. Bisher haben die Banken nicht verstanden, dass sie mit niedrigeren Gebühren mehr verdienen würden. Denn die hohen Abschläge lassen alternative Pfade und Netzwerke aufleben.
Western Union reagierte bereits auf den Druck von Regierungen und Zuwanderern und will kommendes Jahr auch Geldtransfers per Handy anbieten. Dieser soll dann günstiger sein. Weiterer Vorteil: Viele Empfänger haben zwar kein Girokonto, sehr wohl aber ein Mobiltelefon.
Beispiel eines Bargeldtransfers nach Madagaskar: Das Senden von 100€ aus Deutschland kostet 14,50€ Überweisungsgebühr, wobei die Auszahlung im Empfängerland nur zu einem schlechten Kurs in Landeswährung stattfindet, somit eine weitere versteckte Gebühr erhoben wird. Somit kann die Transaktion von 100€ inklusive der notwendigen Anrufe glatt 20€ Kosten. Denn ganz so unproblematisch, wie es Western Union es verspricht, verhalten sich die Agents vor Ort nicht. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Dumm ist nur, die Gebühren steigen nicht linear, sondern gestaffelt: So kosten 40€ Transfersumme 8,50€ Gebühr, das sind fast 22% und für ärmere Kunden nicht akzeptabel. Oder anders gerechnet: Von einem 50€ Schein kommen 80% an, 17% nimmt WU und 3% bleiben für die teuere Telefonverbindung übrig. Aufgrund des schlechten WU Kurses sind es wahrscheinlich nur 70%. Hohe Euro oder Dollar Beträge im Koffer oder fernmündlich organisiert reisen dagegen mit Gewinn, wie Eingeweihte wissen. Ausgerechnet das Geld der Armen reist teuer.
Unter der Adresse www.geldtransfair.de werden die Konditionen mehrerer Anbieter in Herkunftsländer wie Albanien, Marokko, Türkei, Ghana, Serbien und Vietnam aufgelistet. Das ist für eine Web-Initiative der Bundesregierung eine recht magere Liste.











