Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an die englische Autorin Doris Lessing. Sie wurde am 22.10.1919 in Persien geboren und zog im Jahre 1925 mit ihrer Familie in die britische Kolonie Südrhodesien (heute Simbabwe), wo sie ein hartes Leben auf dem Land führte.
Die Texte der Autorin über das Leben in den britischen Kolonien Afrikas sind voller Mitgefühl mit dem inhaltsleeren Dasein der britischen Siedler wie auch der trostlosen Lage der einheimischen Bevölkerung. Ihr Roman The Golden Notebook – Das goldene Notizbuch (1961) – gilt unter Literaturwissenschaftlern als ihr Hauptwerk. Doris Lessing will, wie sie schreibt, zeigen, dass jede Generation von Intellektuellen in der Jugend ähnliche Fehler macht und nicht in der Lage ist, die Vergangenheit als Lehrbeispiel zu betrachten.
Ein weiteres, wohl auch autobiographisches Thema, ist der Umgang mit Männern, die – zumeist verheiratet – zu Liebhabern werden, wobei die Frauen Liebe und Sexualität nicht trennen können, die Männer tun dies jedoch. Die Autorin beschreibt überzeugend das innere und äußere Erleben der Protagonistinnen, das Relative ihrer Überzeugungen, die psychologischen Aspekte ihrer Handlungsweisen.
Das Nobelpreis-Komitee würdigte sie als “Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat“. In den Hochzeiten des Feminismus gewann besonders ihr Buch Unter der Haut. Autobiographie (1919 – 1949) große Bedeutung. In den 70iger und 80iger Jahren waren auch ihre Science Fiction Romane sehr beliebt.
In der mehr als 100-jährigen Geschichte des Literaturnobelpreises ist Doris Lessing die elfte Frau, die diese Auszeichnung zuerkannt bekommen hat.
Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 – mit Unterbrechungen vor allem in den Weltkriegen- jedes Jahr vergeben. Nach dem testamentarischen Willen des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) erhält derjenige den Preis, “der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat”. Es soll von sehr hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen.
Mit der diesjährigen Entscheidung hat das Nobelpreis-Komitee nach den Entscheidungen für Elfriede Jelinek, Harold Pinter und Pamuk wieder einmal seine Unberechenbarkeit unter Beweis gestellt.












